6 – Industrielandschaft Oberpfalz

Obwohl der Strukturwandel spätestens in den 1980er Jahren auch die Oberpfalz ergriff, konnte von einem nachhaltigen wirtschaftlichen Rückschlag für die Region kaum die Rede sein.

Die heftige aber letztendlich erfolglose Gegenwehr der Belegschaft gegen die Schließung der Maxhütte, einem der damals technologisch führenden Stahlwerke der Welt, ist heute noch fest in der Erinnerung der Oberpfalz verankert. Das Ende des Braunkohlenabbaus sollte nach dem Willen der bayerischen Staatsregierung durch die zentrale deutsche Wiederaufarbeitungsanlage für abgebrannte Brennstäbe aus Kernreaktoren in Wackersdorf aufgefangen werden. Erstmals wurde die Region daraufhin von massiven, bundesweit mitgetragenen Protesten erschüttert. Staatliche Förderung und Unternehmerwille (BMW, Wilden, heute Gerresheimer) ließ dann ein neues industrielles „Kraftzentrum“ an diesem Standort entstehen. Zu einem weiteren wichtigen Industriestandort hatte sich inzwischen Regensburg entwickelt. Innovative Unternehmen, neue Produktionen und Branchen von Kunststoffen bis hin zur Halbleiterproduktion beleben die reiche Produktpalette von „Made in Germany – Made in Ostbayern“. Eine Mischung von pragmatisch-unkonventionellem Denken, Bodenständigkeit, Fleiß und unerschöpflichem Erfindergeist prägt heute die Vielseitigkeit der Oberpfälzer Industrielandschaft. Noch immer finden sich hier wichtige Zulieferer für die Automobilindustrie. EWA Siemens in Amberg ist weltweit führend im Bereich von Industrie 4.0. Die Region ist ein wichtiger Standort für innovative Glas-, Keramik- und Porzellanproduktion und im Werkzeug- und Maschinenbau in vielen Bereichen unschlagbar. Mit der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden, dem Fraunhofer-Institut auf dem Gelände der ehemaligen Maxhütte und weiteren Ausbildungsinstituten wird die Zukunft der Oberpfälzer Industrie gesichert. Die gute Infrastruktur unterstützt die Heimatverbundenheit und Sesshaftigkeit der hier angesiedelten Unternehmen – bis hin zur wohl einzigen Hochseereederei der Welt ohne Hafenzugang im tiefsten Binnenland: MST Mineralien Schiffahrt Spedition und Transport GmbH, Schnaittenbach.