5 – Wirtschaftswunder und Konsum

Einwanderer und Flüchtlinge brachten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs technisches Wissen, handwerkliches Geschick und einen großen Willen zum Wiederaufbau in die Region. Erstmals erlebte die Oberpfalz einen sprunghaften Bevölkerungszuwachs. Es war vielfach der klugen Ansiedlungspolitik von Bürgermeistern und Landräten zu verdanken, dass sich die Neuansiedlungen auch in entlegene Regionen verteilten. Der große Bedarf an Konsumgütern nach den verheerenden Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs ließ auch die alteingesessenen Unternehmen wieder aufblühen, hier ist insbesondere die Glasindustrie zu nennen. Die Oberpfälzer Braunkohle, die Luitpoldhütte und die Werke der Maxhütte trugen erheblich zum Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft bei. Diese Entwicklung wurde durch eine bodenständige und genügsame Arbeiterschaft, vor allem auch Arbeiterinnenschaft, begünstigt. Nicht nur die Porzellanindustrie machte die Region zum „Wirtschaftswunderland“: In der Oberpfalz wurde alles gefertigt, was der wachsende Wohlstand im In- und Ausland forderte – vom Badeanzug bis zum Polstermöbel. Während die Konsumgüterproduktion mit Ende dieser Boom-Jahre in den 1970er Jahren zurückging oder vor allem in der Textilbranche fast ganz verschwand, befanden sich Unternehmen der Elektroindustrie weiter im Aufschwung. Sie waren als Zulieferer für damals bekannte Unternehmen wie Grundig oder AEG entstanden und entwickelten nun eigene spezialisierte Produktionslinien. Viele Oberpfälzer Unternehmen profitierten vom wachsenden Bedarf der Automobilindustrie: Rückspiegel, Leuchten, Kunststoffteile, Motorgehäuse, Getriebe, Schaltelemente, Sitze und Konsolen waren und sind noch heute vielfach „Made in Ostbayern“.